Der Tartscher Bühel erhebt sich inmitten des Talbodens und ist das Wahrzeichen des oberen Vinschgaus. Aufgrund seiner besonderen geografischen Lage war es in fast allen urgeschichtlichen Epochen bewohnt. Einmalig schön ist der Rundblick über den weiten Talkessel. Sehenswert ist das St. Veith Kirchlein auf dem Tartscher Bichl (11. Jh.) und die archäologische Ausgrabung. Es handelt sich um ein rätisches Haus aus dem 4. oder 3. Jh. vor Christus. Auf dem Bühel befindet sich eine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert, welche dem heiligen Veit geweiht ist. In ihrem Inneren findet man sehenswerte Wandmalereien.



Die Sage vom Tartscher Bühel

Der Tartscherbühl ist wohlbekannt
im Vinschgau im Tirolerland.
Ein Städtchen war in alter Zeit
allda voll Glanz und Sauberkeit.

Die Leute liebten Tanz und Spiel,
der Herrgott aber galt nicht viel.
Einst kam, vom vielen Wandern matt,
ein Pilger abends in die Stadt.

"Der Weg ist nass, die Nacht ist kalt,
hab' nichts gespeist und bin schon alt.
O lasst mich schlafen über Nacht,
bis morgen früh die Sonn' aufwacht!"

"Willst schlafen du? Der Pfad ist weit,
kannst schlafen, wo dich's immer freut;
der Schnee bedecket Straß' und Bühl
Mit weißem Linnen frisch und kühl.

Die Sternlein leuchten dir voll Pracht -
so schlaf nur, Alter, gute Nacht!"
Es schwankt der Greis zum Tor hinaus
und kommt zum allerletzten Haus:

"Gott segne, Bäuerin, euch den Tisch,
voll Wein und Kuchen, Fleisch und Fisch;
doch gebt auch mir ein Stücklein Brot,
sonst findet mich der Morgen tot."

"Das weiche Brot schenkt man nicht her,
zum harten hast kein Zähnlein mehr.
Das weiße Brot ist für mein Kind;
fort, Alter, tummle dich geschwind! "

Der Pilger wankt zum Tor hinaus,
gar nass und finster ist es drauß.
Den kalten Stein erfasst die Hand,
den schleudert er, zur Stadt gewandt.

"Fühllose Stadt, so kalt wie Stein,
sollst ewig wüst und öde sein.
Sollst ohn' Erbarmen untergeh'n,
nie höre Gott dein jammernd Fleh'n!"

Als nun der Stein am Tore prallt,
der Boden öffnet sich alsbald;
es bebt der Grund, und Hof und Scheun
und Haus und Schloss versinken ein;

der Mann, das Weib, der Greis, das Kind
im tiefen Schutt begraben sind.
Wo stolz die Stadt in alter Zeit
geglänzt, ist's öde weit und breit.

Kein Denkmal gibt den Platz dir kund,
wo Haus um Haus einst fröhlich stund.
Der Tartscherbühel steht allein
und mahnt: Dein Herz sei niemals Stein!